Abriss der Grünen Schänke ist ein Fiasko

Das stadtplanerische Ergebnis, den Abriss und die Beseitigung des kulturhistorisch wichtigen Standorts der „Grünen Schänke“ sehen wir als Fiasko der hiesigen Stadtpolitik und als unverzeihliche Verschwendung von Auftragsvolumen im Leipziger Handwerk. Hiermit ist die einzige Möglichkeit, den Leipziger Osten kulturell an das Stadtleben anzubinden, nachhaltig zerstört worden. Das Konzept der „Bauhütte“ bestand darin, diesen neobarocken Konzert- und Ballsaal mit dem bestehenden Musikstadtkonzept zu vereinen, wobei die barocke Gallionsfigur J. S. Bach ein Leitmotiv gewesen wäre. Welche Zugkraft beliebter Historismus hat, ließ ja Oberbürgermeister Jung (SPD) zur Eröffnung des Hotel Pologne in der Hainstraße 16-18 staunen. Die derzeitige Stadtplanung ist der Garant dafür, dass Leipzig auf diesem Gebiet provinziell bleiben wird!

Quelle: Olav Petersen – „Bauhütte-OST“, Leserbrief, LVZ-Stadtleben, Seite 7, 24.4.2009.

Mehr Lehmwände

Mit stählerner Birne reißt der Stadtumbau-Ost immer mehr Lücken in die Schkeuditzer Innenstadt. Hausruinen verschwinden so, doch die Kernstadt wird buchstäblich immer löchriger. Notgedrungen setzt Schkeuditz auf die Moderne; Der umgestaltet betongraue Markt ist so kalt wie das lange Steinsofa darauf, der Rathausplatz eben so wenig einladend und auf dem einstigen Rittergut Altscherbitz stehen heute Einfamilienhäuser. Und: Der 40 Meter hohe DHL-Hangar sowie der Glas-Stahl-Airport besetzen immer mehr die Wahrnehmung dieser Stadt. Die kleine Kommune zwischen Leipzig und Halle – ohnehin mit einem Imageproblem versehen – ist dabei, nur noch als Wirtschaftsstandort gesehen zu werden. Die Identität droht völlig auf der Strecke zu bleiben. Umso wichtiger ist, dass identitätsstiftendes Altes erhalten bleibt. Spät hat sich die Kommune jetzt auf ihr Museumshaus von 1633 besonnen. Seit 80 Jahren wurde hier Heimatgeschichte zusammen getragen. Dies zu erhalten, das kostet Geld, könnte sich aber bezahlt machen: Mit etwas Glück danken es künftige Generationen. Beton hat die Stadt mit den beiden Start- und Landebahnen genug, es ist Zeit wieder mehr auf die alten Lehmwände zu setzen!

Quelle: Michael Falgowski, „Mehr Lehmwände“, LVZ, Rubrik Standpunkt, Seite 20, 6./7.10.2007.

„Malfabrik“ – warum nicht!

Die Malfabrik ist eine Utopie von Studenten der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Der erste Anlauf blieb hängen im Netz bürokratischen Widersprüche, der zweite zappelt auch schon wieder darin. Die Idee braucht Öffentlichkeit – und demokratischen Dampf.

Leipzig, so geht die Sage, sei einst auch eine Stadt der Kunst, eine Stadt der Künstler gewesen. Wer es Weiß, nennt beschwörend die Namen Klinger und Beckmann; lässt wehmütiges Gedenken an das Leipziger Künstlerhaus am Nikischplatz aufkommen, das, im Krieg zerstört, keinen Nachfolger fand! Einst gab es dort Ateliers, aber auch Werkstatträume und eine Galerie.

Fünf Studenten der Hochschule für Grafik und Buchkunst sowie der erste Prorektor Professor Seidel und ein Tischler für Atelierbedarf erinnerten sich dieses Hauses und wollten ähnliches in Leipzig wieder aufbauen. Vorausgegangen waren Projekte junger Künstler, wie 83/85 die Plagwitzer Interessengemeinschaft, der Leipziger Herbstsalon ’84 oder die Galerie Eigen-Art, bei denen die Künstler selbst die Ausstellungen organisierten.

Schließlich entstand 1987 an der Hochschule der Plan zu einer „Malfabrik“, die Atelierräume, Werkstätten, Galerie und Café beherbergen sollte. Man lief durch Leipzig und fand schließlich in einer alten Pelzfärberei, Hohlbeinstraße 38, ein für den Umbau geeignetes Objekt. Das Haus stand leer und verfiel.

Die Studenten schrieben an 15 „Entscheidungsträger“, die ihnen bedeutsam genug dünkten, Entscheidungen fällen zu können. Und, wie nicht anders zu erwarten, – alle zeigten sich begeistert. Im Herbst und Winter ’88 war’s, als Gespräche beim Rat des Bezirkes stattfanden und man sich zum Lokaltermin in der Pelzfärberei traf. Die FDJ (man erinnert sich?) wollte Geld geben; der Rat des Stadtbezirks Südwest ließ wissen, er habe das Haus dem Rat der Stadt überantwortet.

,strong>In der Folge lernten die Studenten gründlich die Widrig-und-Niedrigkeiten der Bürokratie kennen. Unterlagen wollte man ihnen nicht zeigen; schließlich erfuhren sie durch den Hausverwalter, dass die Besitzerin in Düsseldorf lebe und diese durchaus bereit sei, die Fabrik zu vermieten.

Nachdem Pläne zur Enteignung durch die jungen Künstler abgeblockt werden konnten, wollte die FDJ die Malfabrik zum Parteitagobjekt adeln, um an Geld und Materialien heranzukommen. Auch wollten sehr löblich, die Kampfreservisten der Partei für ein Jahr die Rechtsträgerschaft übernehmen. Der Plan wurde von einem erfahrenen SED-Streiter abgewürgt. Opitz sein Name, damals Vorsitzender des Rates des Bezirkes. Mit 1,5 Millionen zu aufwendig, befand er. Dr. Hartmut König, stellvertretender Minister für Kultur, wollte inzwischen wissen, dass „alles geregelt“ sei.

Wer es glaubt, mochte selig werden. Denn kaum ein halbes Jahr später meldete die Gewerberaumlenkung ihre Ansprüche an. Und, das Erstaunen war perfekt, der ein Jahr zuvor nach eigener Aussage nicht zuständige Rat des Stadtbezirkes Südwest. Die Farce wird vollkommen, als die Studenten Anfang November ’89 durch Zufall erfuhren, dass sie über ein Gebäude verhandelten, das seit 2 Monaten Kürchnermeister vergeben war.

Wieder machten sich die jungen Künstler auf, suchen ein neues zukünftiges Domizil. Sie finden es in der Auenstraße 4 – heute Henricistraße, einem denkmalgeschützten, neoklassizistischen Bau, der auch vom Verfall bedroht ist. Und nun gerät das Projekt „Malfabrik“ in die Zwickmühle. Einerseits sollen Geldmittel vorgewiesen werden, andererseits ist klar, es wird in solche Häuser überhaupt kein Geld investiert. Über den Verkauf des Hauses will niemand in der Stadt entscheiden, jetzt, so kurz vor der Wahl. Unterdessen sorgen sich die Künstler, sie könnten erneut draußen bleiben …

Quelle: Thomas Steinberg, „Malfabrik“ – warum nicht!, Neueste Nachrichten, Seite 2, 31.1.1990

Modellbahn spielerisch „vor der Platte“ erleben

Anlagensteckbrief „Bauhütte-OST“
präsentiert auf dem Modellbahn Sommer-Special vom 27.-29.7.2012

Abmaße: 4 m x 1,40 m x 0,85 m in 2-teiliger Kastenbauweise auf 5 Unterbauschränken
Baubeginn: März 2012, derzeit im Bau befindlich
Spurweite: H0 (Maßstab 1:87)
Gleismaterial: Profigleis der Firma Fleischmann (40 lfm, 9 Weichen)
Betriebsart: digital TRIX-Kabelkonsolsteuerung
Anlagenthema: Nachbildung von stadträumlichen Szenen Leipzigs der letzten 20 Jahre
Anlagenbetrieb: Bundesbahn Epoche III als Museumsbahnbetrieb in der Zeit von 2012

Das Konzept, die Modellbahnwelt „vor der Platte“ zu erleben und die Züge selbst steuern zu können, ging auf dem Modellbahn-Special vom 27.-29.7.2012 in Leipzig voll auf.

Arbeitsschwerpunkt der Bauhütte-OST ist nicht ein vollautomatischer Modellbahnbetrieb, bei dem sich 20 Züge kreuzen, sondern dass der Besucher der Modellbahnausstellung, im besten Falle Vater und Sohn, die Loks/Zuggarnituren über die beiden Spielkonsolen selber steuern. Der Besucher soll hierbei den Fahrbetrieb „vor der Platte“ kurzweilig selbst bestimmen und somit erleben können, was die digitale Modellbahnwelt 2012 alles zu bieten hat …

Dr. Thomas Feist (links), Abgeordneter des Bundestages, informiert sich vor Ort über die Nachwuchsarbeit der „Bauhütte-OST“ für das Handwerk.

Des Weiteren beinhaltet die Arbeit der Bauhütte-OST eine Spurweitenfindung: Auf einem anbei stehenden Tisch können die derzeit gängigsten Gleissysteme ausprobiert und gemeinschaftlich freundlich diskutiert werden, um im Ziel festlegen zu können, welche Spurweite für jeden das Richtige ist.

Die Bauhütte-OST sieht im generationsübergreifenden Hobby der Modelleisenbahn einen einzigartigen Ansatz zur Nachwuchsförderung im deutschen Handwerk. Nur hier sind spielerisch die Grundlagen für eine Vielfalt an Handwerksberufen schon im Kindesalter zu verstehen und es entwickelt sich nahezu von selbst die Achtung (Werte) für die Arbeit der Tischler, Elektriker, Maler und vieler anderer mehr (Umweltwahrnehmung).

Sprechen Sie uns an – wir überzeugen Sie im persönlichen Gespräch!

Mit zünftigen Grüßen
C. O. Petersen

Machbarkeitsstudie RAD-Haus Lindenau

Die Idee

Städtebaulich liegt in Leipzig einiges im Argen: Megaprojekte entziehen den Stadtteilen Infrastruktur und Geld für Veränderungen. Dabei macht gerade der Mikrokosmos um die Ecke das Stückchen an Lebenswertem aus, was Menschen in „ihrem“ Viertel hält. Einige Stadtteile sind mehr und hochwertiger saniert als andere, die als weniger „in“ gelten. Und gerade in wenig entwickelten Bereichen werden durch die damit einherziehende soziale Ghettoisierung oftmals die Chancen nicht erkannt, die innerstädtische Leerräume – sowohl Gebäude als auch Grünflächen – bieten können

Die „Bauhütte-OST“ möchte sich in diesem Sinne für eine ausgewogene Stadtentwicklung vor Ort in den Stadtteilen einsetzen. Dabei werden Projekte von gemeinnützigen Vereinen / Bürgern baulich unterstützt oder auch bereichert und erweitert.

Erste Projekte: 2004 RAD-Haus Lindenau

Durch einen Zeitungsartikel im April 2004 machte ein Leipziger Verein auf sein Brachflächenprojekt „Nachbarschaftsgärten“ auf sich aufmerksam. Hier sollten an der heruntergekommenen Josephstraße auf privaten Brachflächen kostenlose Mietergärten als Zwischennutzung entstehen. Eine zweigeschossige Ruine auf dem Gelände inspirierte Olav Petersen zu einem kühnen Vorhaben: Eine studentische Fahrradselbsthilfewerkstatt könnte hier entstehen, in der auch die Nachbarschaft sich trifft, wo aber gleichzeitig Praktisches entsteht für ein Viertel, in dem im Vergleich zum städtischen Durchschnitt nur etwa die Hälfte an Autos vorhanden ist.

Im Laufe des Sommers kristallisierte sich dann durch die Kooperation mit Bildungsträgern die Kombination heraus, die nicht nur Leipzig in den nächsten Jahren stadtentwicklungspolitisch beschäftigen wird: brach liegende Arbeitskraft kann brach liegende Grünflächen aufwerten und so ungenutzten Gebäuden ein zweites Leben einhauchen.

Zum Jahresende wird auf dem Nachbargrundstück des RAD-Hauses außerdem ein Bildhauer-Symposium mit Sandsteinbrocken aus selektivem Rückbau abgehalten werden und ein Bergelager entstehen, aus dem gemeinnützige Vereine kostenlos Material für ihre Bauvorhaben bekommen können, einschließlich eines Praktikanten der „Bauhütte-OST“, der an Ort und Stelle beim konkreten Einbau von z.B. geborgenen Mauerziegeln helfen kann.

Wie’s weiter geht: ab 2005 Kulturhausmeister MuKo-Block

Die stark gefährdete Häuserfront an der Lützner Straße / Block Musikalische Komödie („Wächterhäuser“) soll mit einem ähnlichen Konzept wie das RAD-Haus entrümpelt und vor dem Verfall gerettet werden. Eine gemeinsame Grünflächengestaltung soll die Stärken des kaum bewohnten Blocks hervorheben und so eine Neubelegung ermöglichen.

Kontakt: saegewerkatelier@yahoo.de oder montags bis freitags in der Mittagspause gegen 12.00 Uhr auf der aktuellen Baustelle, Ansprechpartner: Mirko Walter, www.saegewerkatelier.de

Wo drückt Leipzigs Unternehmern tatsächlich der Schuh?

Leipzigs OBM Burkhard Jung wollte wissen, wie das Rathaus einheimischen Firmen am besten helfen kann

In dieser Woche luden Leipzigs OBM Burkhard Jung und Wirtschaftsbürgermeister Uwe Albrecht kleine und mittelständige Unternehmer der Region ins Bürgerbüro in der Katharinenstraße ein. „Wo drückt der Schuh, wo kann das Rathaus helfen?“, wollte er wissen. […]

[…] Olav Petersen von der „Bauhütte-OST“ setzte die Debatte um neue Aufträge in der Region fort. Man könne in der Bauhütte-OST alles. Man habe junge Leute an der Hand, mit deren Hilfe man sanierungsbedürftige Häuser in so einen Zustand versetzt, dass sie langfristig nachfolgend Arbeit für Handwerker bringen. Es handle sich dabei um Aufgaben, die große Unternehmen gar nicht übernehmen wollen. Man könne die Substanz tausender Häuser in Leipzig retten und dabei junge Leute an die richtige Arbeit heranführen, so dass diese auch wieder Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt bekommen.

Jung, der die Bauhütten-Leute seit langem kennt, versprach alle Möglichkeiten, die im Rathaus gegeben sind. […] Hier sollen also Voraussetzungen geschaffen werden, dass die Aufträge für Leipzigs Handwerker vor allem am Bau wieder wachsen.

[…] Insgesamt sollen – so ergaben die Gespräche – neben den regelmäßigen Runden des OBM mit Unternehmern auch Stammtische organisiert werden, in denen sich Unternehmen zusammenschließen – entweder nach Branchen oder nach Regionen. Natürlich auch mit enger Bindung an die Kommune.

Thomas Biskupek, „Wo drückt Leipzigs Unternehmer tatsächlich der Schuh?“, Sachsen Sonntag, Seite 10, 5.10.2008, www.leipzig.de

Ziele der „Bauhütte-OST“

Projektbeschreibung

Die „Bauhütte-OST“ ist ein Bürgerengagement zur Rettung und Sicherung von kulturhistorisch wertvollen Gebäuden aus der Gründerzeit und früher, mit und durch langzeitarbeitslose Jugendliche, zur anschließenden Wiederbelebung durch Kulturschaffende.

Über einen Zeitraum von drei Jahren werden an ca. 10 Objekten geeignete Sicherungsmaßnahmen inkl. Medienanschlüssen (Baustrom, Wasser) wiederhergestellt. Diese Maßnahmen werden gemeinsam mit Jugendlichen (bis ca. 28 Jahre) geplant, vorbereitet, umgesetzt und kontrolliert. Die Sicherungsmaßnahmen umfassen ebenfalls das meist auffällige Umfeld hinsichtlich Sauberkeit. Die relevanten jungen Männer entstammen einem höchst problematischen Umfeld bzw. haben durch Verhalten, Straffälligkeit etc. kaum bzw. keine Chancen mehr, einem geregelten, selbstständigen Leben nachzugehen.

Mit dem klassichen Effekt des Aufbauens, der Mitgestaltung der bisherigen und neuen Stadtentwicklungskonzepte, gelingt es der Projektleitung, den – ähnlich den Akteuren – am „sogenannten Rand“ der Städtearchitektur befindlichen verfallenden Gebäudebestand zu retten. Baulich und historisch wertvolle Elemente werden bei den Sicherungsarbeiten besonders geborgen und ggf. zur Weiterverarbeitung in der Denkmalpflege vorbereitet.

Nach 3 Jahren sind ca. 10 ausgewählte Objekte baulich gesichert, die Jugendlichen gesellschaftlich und sozial stabilisiert und für den 1. handwerklichen Arbeitsmarkt vorbereitet. Die Betreuung wird durch ärztliche und psychologische Hilfe gestärkt.

Die so gesicherten Gebäude stehen dann durch Vermittlung der zuständigen Ämter den Kulturschaffenden/Künstlern am Ort zur vielseitigen Nutzung und kreativen Gestaltung des Leerstands im Stadtbild zur Verfügung (Ideenbörse). Ziel: Erhöhung der Attraktivität des Stadtteils und behutsame Rückführung der Gebäude in das handwerkliche Auftragsvolumen und auf den Immobilienmarkt.

Die „Bauhütte-OST“ ist für die Planungsleistungen (Grundlagenermittlung, Anträge, Leistungsverzeichnisse, Bauüberwachung, Zeitplanung, Abnahmen etc.) und Beschaffung verantwortlich. Gemeinsam mit einem Projektbüro werden die betriebswirtschaftlichen und fördertechnischen Bedingungen eingehalten.

Ziele des Projekts

Die Unterstützung des Gebäudesicherungsprogramms der Stadt Leipzig steht im Fokus. Der Baubestand wird erhalten und in einen Zustand gebracht, der den Verkauf, die neuen Nutzungskonzepte der Gebäude fördert.

Dem hiesigen Handwerk werden neue Objekte für hochwertige Denkmalpflegearbeiten vorbereitet.

Diese Gebäudesicherung wird durch fachlich qualifizierte Bürger mit ausschließlich sozial stark auffälligen männlichen Jugendlichen bis Ende 20 umgesetzt, deren körperliche Potenziale gut genutzt werden können, und deren mentale Situation ohne die passende Betreuung/Begleitung auf Dauer immer wiederkehrende gesellschaftliche Probleme nach sich ziehen.

Nach dem Projektzeitraum können die Akteure selbst multiplikatorisch wirken und bei dem relevanten Personenkreis (quantitativ zunehmend) erfolgreiche Synergien für ähnliche Vorhaben erzielen.

Synergien zu anderen relevanten Stadtentwicklungskonzepten mit dem Ziel, selbst Verantwortung und Kontrolle für Ordnung und Sicherheit zu übernehmen, sind gegeben

Straffällige und gewaltbereite Personen, die über die Jugendgerichtshilfe nicht mehr erreicht werden, finden bei der „Bauhütte-OST“ Akzeptanz, Respekt und konsequenten Umgang im Umkehrschluss.

Innovativer Ansatz

Stadtentwicklung, bürgerliches Engagement, verbunden mit sozialgesellschaftlichen Anforderungen und Einbindung einer Randgruppe erfüllen die Ziele des weiterlaufenden Bund-Länder-Programmes „Stadtumbau Ost“.

Bereits aufgegebene Menschen werden unter professioneller Betreuung und Arbeitsanleitung auf besondere Art und Weise integriert, um Verantwortung mit „harter und schaffender Arbeit“ für das eigene Umfeld zu übernehmen.

Die Besonderheit liegt im ursprünglichen Ansatz aus dem Bürgerengagement und hebt sich von vermeintlich staatlichem Druck ab – mit dem gleichen Ziel auf neuen Wegen.

Positive Ergebnisse liegen durch Einzelaktion bereits vor und sind unter www.saegewerkatelier.de nachzulesen.

Projektbeteiligte

Die Planung erfolgt ausschließlich mit und unter Maßgaben der Fachämter der Bauordnung, der Stadtentwicklung und Denkmalpflege. Das Handwerk steht bei dem besonderen Ausbildungsbedarf beratend und mit geeignetem Equipment und ausgewählten praktischen Gegebenheiten (BTZ) zur Seite.

Weihnachten im und am Apostelhaus

Die „Bauhütte-OST“ und die Schüler der 7. Klasse der Mittelschule Gohlis laden am 17. Dezember von 15 bis 18 Uhr zum weihnachtlichen Unterstützertreffen nach Lindenau an das Apostelhaus, Apostelstraße 20, ein. Alle am Handwerk und dem ca. 260 Jahre alten Haus interessierten Bürger sind willkommen. Die Traditionsbäckerei Göbecke spendete den Schülern den Teig für das weihnachtliche Plätzchenbacken. Plätzchen und Glühwein sollen an diesem Tag gegen Sachen und Werte getauscht werden. Gesucht werden auch noch Sänger oder Musiker, die für weihnachtliche Stimmung sorgen wollen.

„Weihnachten am Apostelhaus“, hallo!, Seite 7, 10.12.2011

Schüler beräumen das Apostelhaus

Schaufeln und staunen beim Tag des offenen Denkmals

„Ich dachte, das Haus ist groß und dass man die Kanonenkugeln sehen kann. Auf jeden Fall will ich es hier schöner machen.“ Jacob Porsch, Siebtklässler der Freien Mittelschule Gohlis, ist beim Vor-Ort-Termin am Lindenauer Apostelhaus, Apostelstraße 20, etwas verwirrt. So ein kleines, morsches Gebäude inmitten intaktem Umfeld hat sich der Zwölfjährige nicht vorgestellt. Morgen, am bundesweiten Tag des offenen Denkmals, macht er und neun Mitschüler von 11 bis 16 Uhr mit, den 2007 aus dem rund 250 Jahre alten Gebäude hinausgetragenen Schutt zu beseitigen. Früher gab es hier zwölf baugleiche Häuser im ehemaligen Rittergut – Hausnummer 20 ist das letzte verbliebene. Die zwei kleinen Löcher über den größeren Fensteröffnungen an der Schmalseite erinnern tatsächlich vom Gedenken an mindestens zwei Kanonenkugeln. Sie wurden seinerzeit Napoleons Mannen bei ihrer Flucht aus Leipzig hinterhergedonnert – zweitrangig, ob sie an genau dieser Fassadenstelle hineinkrachten oder von den Nachfahren mahnend in die Wand eingemauert wurden.

Besitzer Ralf-Detlef Kohl will das von seinen Großeltern vererbte Haus sanieren lassen und mittel- bis langfristig historisches Handwerk als musealen Raum ansiedeln (hallo! berichtete). „Damit eure Generation erleben kann, was damals hier passierte“, schaut er die vier Jungs ernst an. „Ich will der Gesellschaft etwas Gutes tun. Zu Hause helfe ich auch meinem Opa im Hühnerstall und im Hof“, erwiedert Schüler Daniel Cranz in feierlichem Ton. „Weniger gaffen, mehr schaffen“, versieht er diese ungewöhnliche Sonntagsarbeit mit einem eigenen Motto.

Bei der Tauschbörse „Sozialer Marktplatz“ handelte Kohl für morgen einen Gratis-Container von der Firma Limes Wohnbau GmbH aus. Nach der fünfstündigen Schipperei werden die Schüler mit einer Grillrunde belohnt, ihre Lehrerin wird zuvor mit Kuchen kommen. […]

Andreas Krüger, „Schüler beräumen das Apostelhaus“, hallo!, Seite 5, 10.9.2011

Bauhütte will Häuser retten

Handwerkskammer unterstützt Bürger-Engagement / Ämter zeigen kalte Schulter

Lindenau/Plagwitz. Gegen den Abriss von verfallenen Gründerzeithäusern und anderen denkmalgeschützten Bauten aus dem 19. Jahrhundert macht in Leipzig die „Bauhütte“ mobil. Eine Bürgerinitiative, die vor allem „orientierungslose Jugendliche“ von der Straße holen und ihnen mit Beschäftigung neuen Lebensmut und Lebenssinn geben will. „Es sind junge Leute, um die wir uns kümmern, die jede Hoffnung auf einen Arbeitsplatz verloren haben, oft auch schon mit dem Gesetz in Konflikt kamen“, sagt Bauhütten-Sprecher Ralf Kohl. „Leider finden wir bei den zuständigen Ämtern in der Stadt keinerlei Unterstützung, begegnet man unseren Vorhaben eher mit Misstrauen“, so Kohl.

Anders verhält sich die Handwerkskammer. In dieser Woche berieten Kammerpräsident Joachim Dirschka, die Leiterin für Kommunale Wirtschaftsförderung Annemarie Pfeil und Bauhütten-Projektleiter Olav Petersen, wie die Kammer das Engagement der Bauhütte unterstützen kann. „Jedes Gebäude, das wir mit den Jugendlichen sichern und so vor dem endgültigen Verfall retten, bringt später den heimischen Handwerksbetrieben bei der Sanierung dringend benötigte Aufträge“, meint Petersen. Dirschka sagte die idelle Unterstützung der Bauhütten-Projekte zu und hält sie für förderwürdig. „Wenn auf privatwirtschaftlicher Ebene Handwerksbetriebe mit Werkzeug oder Material helfen, ist dies gut. Das kann allerdings nicht durch die Kammer geschehen“, betont Pfeil. Es sei auch an eine Wiederbelebung der Handwerker-Passage am Markt gedacht. „Dort könnten wir uns gut einbringen“, versichert Petersen, selbst Zimmermann von Beruf.

Im Moment ist die Bauhütte dabei, in der Apostelstraße 20 die Lindenauer Kulturwerkstatt ins Leben zu rufen. „Das denkmalgeschützte Gebäude ist von den Jugendlichen in mühevoller Arbeit gesichert worden“, sagt Kohl. Die Stadt habe dafür keinen Cent bereit gestellt. „Hingegen für den geplanten Abriss waren bereits 23.500 Euro aus dem entsprechenden Förderfonds ausgewiesen“, so Kohl.

Mit großer Sorge betrachten die Männer von der Bauhütte, was mit der ebenfalls unter Denkmalschutz stehenden riesigen Halle auf dem Betriebsgelände in der Karl-Heine-Straße 81-85 vorgesehen ist. Sie diente von 1872 bis 1895 als Unterstand für einen Teil des Wagenparks der Leipziger Pferdebahn. Das Amt für Denkmalschutz hat den Abriss des traditionsbeladenen Gebäudes am 1. August genehmigt, wie die Behörde auf Anfrage bestätigte. Eine Abrissfirma habe bereits den Auftrag dafür erhalten. Der Pächter wiederum sagte zu, nur Teile des Daches zu entfernen. Er wolle in der Halle Oldtimer ausstellen und einen Abschnitt als Parkfläche ausweisen. „Blödsinn“, meint Kohl, „wenn das Dach mit seinen Oberlichtern runter kommt, ist die Halle ein für allemal verloren.“ Die Abriss-Politik müsse in Leipzig endlich gestoppt werden. „Das unnötige Liquidieren beispielsweise der Grünen Schänke oder der Alten Funkenburg hat schon tiefe Wunden in Leipzigs so wunderschöne Bausubstanz geschlagen“, urteilt der Sprecher der Bauhütte.

Günther Gießler, LVZ-Stadtleben, “Bauhütte will Häuser retten”, Seite 2,  22.8.2008