Bauhütte will Häuser retten

Handwerkskammer unterstützt Bürger-Engagement / Ämter zeigen kalte Schulter

Lindenau/Plagwitz. Gegen den Abriss von verfallenen Gründerzeithäusern und anderen denkmalgeschützten Bauten aus dem 19. Jahrhundert macht in Leipzig die „Bauhütte“ mobil. Eine Bürgerinitiative, die vor allem „orientierungslose Jugendliche“ von der Straße holen und ihnen mit Beschäftigung neuen Lebensmut und Lebenssinn geben will. „Es sind junge Leute, um die wir uns kümmern, die jede Hoffnung auf einen Arbeitsplatz verloren haben, oft auch schon mit dem Gesetz in Konflikt kamen“, sagt Bauhütten-Sprecher Ralf Kohl. „Leider finden wir bei den zuständigen Ämtern in der Stadt keinerlei Unterstützung, begegnet man unseren Vorhaben eher mit Misstrauen“, so Kohl.

Anders verhält sich die Handwerkskammer. In dieser Woche berieten Kammerpräsident Joachim Dirschka, die Leiterin für Kommunale Wirtschaftsförderung Annemarie Pfeil und Bauhütten-Projektleiter Olav Petersen, wie die Kammer das Engagement der Bauhütte unterstützen kann. „Jedes Gebäude, das wir mit den Jugendlichen sichern und so vor dem endgültigen Verfall retten, bringt später den heimischen Handwerksbetrieben bei der Sanierung dringend benötigte Aufträge“, meint Petersen. Dirschka sagte die idelle Unterstützung der Bauhütten-Projekte zu und hält sie für förderwürdig. „Wenn auf privatwirtschaftlicher Ebene Handwerksbetriebe mit Werkzeug oder Material helfen, ist dies gut. Das kann allerdings nicht durch die Kammer geschehen“, betont Pfeil. Es sei auch an eine Wiederbelebung der Handwerker-Passage am Markt gedacht. „Dort könnten wir uns gut einbringen“, versichert Petersen, selbst Zimmermann von Beruf.

Im Moment ist die Bauhütte dabei, in der Apostelstraße 20 die Lindenauer Kulturwerkstatt ins Leben zu rufen. „Das denkmalgeschützte Gebäude ist von den Jugendlichen in mühevoller Arbeit gesichert worden“, sagt Kohl. Die Stadt habe dafür keinen Cent bereit gestellt. „Hingegen für den geplanten Abriss waren bereits 23.500 Euro aus dem entsprechenden Förderfonds ausgewiesen“, so Kohl.

Mit großer Sorge betrachten die Männer von der Bauhütte, was mit der ebenfalls unter Denkmalschutz stehenden riesigen Halle auf dem Betriebsgelände in der Karl-Heine-Straße 81-85 vorgesehen ist. Sie diente von 1872 bis 1895 als Unterstand für einen Teil des Wagenparks der Leipziger Pferdebahn. Das Amt für Denkmalschutz hat den Abriss des traditionsbeladenen Gebäudes am 1. August genehmigt, wie die Behörde auf Anfrage bestätigte. Eine Abrissfirma habe bereits den Auftrag dafür erhalten. Der Pächter wiederum sagte zu, nur Teile des Daches zu entfernen. Er wolle in der Halle Oldtimer ausstellen und einen Abschnitt als Parkfläche ausweisen. „Blödsinn“, meint Kohl, „wenn das Dach mit seinen Oberlichtern runter kommt, ist die Halle ein für allemal verloren.“ Die Abriss-Politik müsse in Leipzig endlich gestoppt werden. „Das unnötige Liquidieren beispielsweise der Grünen Schänke oder der Alten Funkenburg hat schon tiefe Wunden in Leipzigs so wunderschöne Bausubstanz geschlagen“, urteilt der Sprecher der Bauhütte.

Günther Gießler, LVZ-Stadtleben, “Bauhütte will Häuser retten”, Seite 2,  22.8.2008